Alt gegen JUNG

Ein Sonntag ohne Fußball ist wie Bovenden ohne Kunstrasen – irgendwie fehlt da etwas, ohne dass man konkret benennen könnte, was an einem spiel- und stressfreien Wochenendausklang denn so kritikwürdig sei.  Ist es die fehlende Spannung? Den ausbleibenden Zwang zum „frühen“ Aufstehen um 11 Uhr? Oder die verweigerte Möglichkeit, seine „Bros“ (Azzlackdeutsch für „“Kumpels“) wie Abteilungsleiter Wolfgang Hungerland und Teammanager Volker Trümper zu treffen?

Wie dem auch sei, der Fußballentzug schien nach der überraschenden Absetzung des Spiels beim TSV Groß Schneen so eklatant auf die Nerven zu schlagen, dass die substituierende Alternativgestaltung des Nachmittags mit allerlei seltsamen Ideen angegangen wurde. Könnte man nicht kollektiv zum Bezirksliga-Kracher Hainberg – Landolfshausen fahren? Oder GW Hagenberg beim Versuch anfeuern, der SG Bergdörfer ein paar Punkte abzuknöpfen? Nachdem am vergangenen Wochenende eine kleine Gruppe BSVer den spielfreien Tag nutzte, um im leicht angeheiterten und oberkörperfreien Zustand verwirrte Asiatinnen anzutanzen sowie im Monrose-Park selbst getextete Lobpreisungen der anwesenden Medienvertreter zu skandieren, schien der Einfall, es am heutigen Sonntag alternativ mit einer Trainingseinheit zu versuchen, nicht ganz unclever zu sein.

So trafen sich schließlich gegen 12 Uhr 14 Fußballer plus Trainerstab, um auf dem Kleinfeld des Bovender SV das beliebte Spiel „Alt gegen Jung“ auszutragen.  Die bisherigen Vergleiche liefen dabei stets nach dem gleichen Muster ab. Alt macht provozierende Sprüche, Jung beginnt überheblich und liegt schnell im Rückstand, Alt sehnt sich schon im erwerbsfreien Rentenalter, fährt die Konzentration zurück, Jung gewinnt letztlich deutlich und freut sich anschließend ziemlich kindisch, so dass „jung“ als Beschreibung der pubertären Freudeszenen fast noch geheuchelt wäre. Auf dem Rückweg in die Kabine werden von den Besiegten die üblichen Ausreden bemüht: („Meine Beinprothese hat nach 30 Minuten gehakt“ / „Ich habe meine Tabletten nicht genommen.“ / „Der Platz war scheiße.“ (Vollbrecht)
Und jedes Mal wird insgeheim mit dem Gedanken geliebäugelt, was WIR – die Alten – nicht geben würden, es den Jungen einmal zu zeigen und triumphierend die bisherigen Pleiten ein- für allemal vergessen zu machen. Heute sollte es soweit sein...

Doch zunächst nahm alles seinen gewohnt deprimierenden Gang. Die Alten (Jelle Brinkwerth, Kürzinger, Vollbrecht, Weiß, Saciri, Iwan (Nachname nicht bekannt), Dellemann und M. Gleitze) gingen gegen unkonzentrierte Jungen (Hichert, Hähnel, L. Gleitze, Sahin Kaplan, I. Vukovic, Benseler, Onal), denen ihre Eltern Schlafmittel in den Babybrei gemischt hatten, zwar mit 2:0 in Führung, doch binnen weniger Minuten drehte sich das Blatt, die Muskeln der Alten machten zu und prompt stand es 2:4. Hektisch wurden die Seiten gewechselt, Dennis Koch stand nun im Kasten der Rentner, während Drago Vukovic das Kids-Tor hütete. Leider half dieser taktische Kniff nicht weiter, die Jungen zogen Tor um Tor davon und wähnten sich schon bei einer Belohnung in Form eines selbst gepressten Erdbeersaft. Doch „Alt“ stellte um, nahm Dennis Koch aus dem Tor und stellte Ronnie Kürzinger in Selbiges. Und auf wundersame Weise verlieh diese Systemänderung dem Spiel der zurückliegenden Mannschaft neue Dynamik: im Winter seiner Karriere drehte das Dreamteam noch einmal auf und schenkte den Windelträgern sattsam Tore ein. Komischerweise ertönte dann kurz nach erstmaliger Führung der Spazierstock-Freunde auch der Schlusspfiff! Der Sieg, 3 Punkte und ein Kasten Kamillentee waren im Sack! Da halfen auch die Ausreden der Jungen („Klar, Ihr seid ja auch älter! Unfair!“) nicht mehr.

Ein Sonntag ohne Fußball?
Für Jung UND Alt undenkbar! ;-)